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Cornelys Hausapfel

Name
Cornelys Hausapfel

Synonyme
Aachener Hausapfel, Aachener Hausäpfelchen, Corneli’s Hausapfel, Corneli‘s Gestreifter Hausapfel, Husäppelke

Herkunft und Verbreitung
Wurde in der napoleonischen Zeit – etwa um 1800 – von Herrn Carl Corneli, seines Zeichens Maire (Bürgermeister) der historischen Gemeinde Rimburg bei Aachen, aus Kernen gezogen. Sowohl Diel als auch Oberdieck berichten in ihren Schriften von der Sorte. Später geriet sie allerdings – wie so viele andere Landsorten auch – wieder in Vergessenheit und muss heute als seltene Lokalsorte der Aachener Region angesehen werden.

Reifezeit und Gebrauch
Erntereif ab Oktober, nur wenig druckempfindlich und lagerfähig bis in den späten Winter hinein. Tafel- und Verarbeitungsapfel.

Eigenschaften der Frucht
Kleine rundliche Äpfel ohne sichtbare Kanten oder Rippen, zum Kelch oft etwas zugespitzt. Kelchgrube flach, faltig, mit einem kleinen, geschlossenen Kelch. Stielseitig fällt der feine hellbraune Rost auf, der die gesamte stielseitige Rundung überdecken kann. Aus einer meist engen und flachen Stielgrube ragt ein dünner, holziger, zuweilen recht langer Stiel. Die Farbe der Frucht ist grundfarbig ein blasses Gelb, über dem sich kräftige, rote Streifen und sonnenseitig eine dunkelrote Lavierung ziehen. Vereinzelte, verkorkte helle Schalenpunkte. Kerne für die kleine Frucht auffällig groß, dunkelbraun und gut entwickelt. Fleisch weiß, fein, von süßlichem, bei Diel gar „reinettenartigem“ Geschmack.

Diskussion
Der Name Hausapfel verweist vermutlich auf die Brauchbarkeit der kleinen Äpfel für die häusliche Verarbeitung. Auch heute noch hat sich die Tradition des Kochapfels erhalten. Dabei werden die ganzen Äpfelchen „gestooft“, d.h. in Zuckerwasser gekocht und anschließend karamellisiert dargeboten. Um Weihnachten herum dienten die kleinen Früchte außerdem als beliebter Schmuck am Christbaum. Bereits in den Sortenbeschreibungen des 19. Jh. wurde einerseits auf den großen Nutzen der Sorte hingewiesen, diese andererseits als Tafelapfel nur in den zweiten Rang eingeordnet. In der sehr großen Gruppe der Reinetten gab es bereits damals unzählige Sorten, die geschmacklich scheinbar noch etwas aromatischer waren, so dass der Hausapfel bereits Ende des 19. Jh. wieder zu verschwinden drohte. Oberdieck berichtete bereits 1865, er habe ihn von „Lehrer Breuer zu Dhorn am Rheine“ erhalten, der die Sorte mit richtigem Namen aufgepflanzt und damit vor dem Verschwinden gerettet habe.

Die jüngere Pomologie schreibt den Namen des Züchters neuerdings mit „y“ statt mit „i“, unter Verweis auf die angeblich ursprüngliche Schreibung bei Diel (1816), der den Apfel jedoch auch damals schon als Corneli’s gestreifter Hausapfel vorstellte. Die stilistisch unvorteilhafte und grammatikalisch schlichtweg falsche Schreibung des Genitivs mit Apostroph (damals wie heute) wird bei uns ohne Rücksicht auf historische Befindlichkeiten einkassiert.

Referenzen

Diel, August Friedrich Adrian (1799-1832): „Corneli’s gestreifter Hausapfel“. In: Versuch einer systematischen Beschreibung in Deutschland vorhandener Kernobstsorten, Bd. 20, 189–94.

Lucas, E. D. und Oberdieck, J. C. (1865): „Corneli’s Hausapfel“. In: Illustrirtes Handbuch der Obstkunde, Bd. 4 Äpfel, 525f.

LVR-Netzwerk Kulturlandschaft und Biologische Stationen Rheinland (Hrsg.) (2017): „Cornely’s (Gestreifter) Hausapfel“. In: Lokale und regionale Obstsorten im Rheinland – neu entdeckt! 2. Auflage, Köln, 54f.